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Der Ton macht die Musik

Musikalische Aus- und Weiterbildung junger Menschen in Bolivien.
Ein Projekt von justiceF Schweiz

Einführung

Bolivien ist mit einer Fläche von 1,1 Mio. qkm dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur 10 Mio. Einwohner. Die Hauptstadt ist Sucre, obwohl der Sitz der Regierung, La Paz, die größere und bekanntere Stadt ist. 40 Prozent der Bevölkerung sind Mischlinge; die Hälfte gehört zu indigenen Gruppen. Es gibt noch 32 Völkergruppen mit eigener Sprache, von denen die Aymara (20%) und Quechua Sprechenden (15%) die Größten sind. Im ganzen Land sind nur etwa 3.000 km Strassen asphaltiert - fast die Hälfte der Bewohner Boliviens leben auf dem Land.

Geographisch kann das Land in drei große Regionen eingeteilt werden: Das westliche Hochland mit Bergen bis zu 6.500 m Höhe (hier liegen die Großstädte El Alto, La Paz, Sucre, Oruro und Potosi sowie der Titicacasee), die Täler um Cochabamba und das Chaparegebiet sowie das östliche Tiefland mit Santa Cruz als der größten Stadt des Landes. An der Spitze der Zentralregierung steht der für fünf Jahre gewählte Präsident, seit 2006 ist dies Evo Morales. Der Nationalkongress besteht aus der Abgeordnetenkammer mit 130 Abgeordneten und dem Senat mit 36 Senatoren (vier aus jedem der 9 departamentos), Die Partei des Präsidenten hällt zurzeit die Mehrheit in der Abgeordnetenkammer und im Senat.

Das Land ist in neun Departamentos (eine Art Bundesländer) aufgeteilt. Die vier Tiefland-Departamentos Beni, Pando, Santa Cruz und Tarija werden in der politischen Diskussion oft zusammenfassend als "Halbmond" ("Media Luna") bezeichnet, da ihre Form auf der Landkarte Boliviens an einen Halbmond erinnert. Die daraus entstehende politische Spaltung (zentralistische und staatswirtschaftliche Strömungen im Hochland gegen föderalistische und wirtschaftsliberale Bestrebungen im Osten) vermischt sich in den letzten Jahren mit rassistischen Untertönen, da die Bewohner des Hochlands mehrheitlich indigener Abstammung und die Mehrheit der Einwohner des Media Luna mehr europäischstämmige Mischlinge sind. Die Spaltung wird verstärkt durch sprachliche Unterschiede: die Bewohner des Hochlands sprechen neben Aymara und Quechua einen spanischen Dialekt, der näher am traditionellen Spanisch liegt.

Die 2009 angenommene neue Verfassung sieht ein "pluralistisches" Wirtschaftsmodell für Bolivien vor. Laut Verfassungstext strebt das Land ein gemischtes Modell aus staatlicher, gemein- und privatwirtschaftlicher Ökonomie mit sozialer Kontrolle an. Ein Großteil der Bevölkerung ist nach wie vor in der Landwirtschaft beschäftigt. Nur im tropischen östlichen Tiefland wird die Landwirtschaft dabei teilweise modern betrieben. Im Hochland (Altiplano) mit seinen kargen Böden und ungünstigem Klima wird für den Eigenbedarf der Familie angebaut.

Koka und andere Rohstoffe…

Bolivien ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas: Sein Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner betrug im Jahre 2009 nur 1.724 US$ pro Kopf (Platz 124 unter den 181 Ländern des IWF). Zwei Drittel der Bevölkerung leben in Armut, 40 Prozent gar in extremer Armut, obwohl Bolivien über reiche Bodenschätze verfügt. 10 Prozent der Bevölkerung verfügen über 40 Prozent des Gesamteinkommens.

Der kontrovers diskutierte Kokaanbau bleibt nach wie vor einer der Hauptwirtschaftszweige des Landes, vor allem in den Regionen Yungas und Chapare. Coca ist allerdings nicht nur ein Rohstoff für Kokain ist, sondern von der Bevölkerung der gesamten Andenregion als Genussmittel genutzt, ob als Tee oder zum Kauen. Der derzeitige Präsident Evo Morales gehörte vor seiner Wahl der Kokabauer Bewegung an.

Von zunehmender Bedeutung für Bolivien ist die Förderung von Energierohstoffen. Bolivien verfügt über Südamerikas zweitgrößte Erdgasreserven. 90 Prozent des geförderten Erdgases wird exportiert, überwiegend nach Brasilien und Argentinien. Der Salzsee von Uyuni beherbergt fast die Hälfte des weltweiten Vorkommens an Lithium. Wegen der zunehmenden Herstellung von Lithium-Ionen Batterien wird Lithium ein Nachfrageboom vorhergesagt.

Bildung

Anfang 2009 erklärte Präsident Morales nach einer dreijährigen Alphabetisierungskampagne, in der etwa 800.000 Menschen lesen und schreiben lernten, das Land für analphabetenfrei, da nunmehr 97 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben könnten. Im Jahr 2001 betrug die Zahl der Analphabeten noch 14 Prozent.

Projekt: Musikalische Aus- und Weiterbildung
von Kindern und Jugendlichen in San Ignacio

San Ignacio de Velasco ist eine Kleinstadt mit etwa 35.000 Einwohnern und Bischofssitz im östlichen Tiefland Boliviens. Bekannt ist die Stadt durch die Jesuiten, die vor gut 250 Jahren in dieser Gegend die Indianer in Dörfern zusammengeführt hatten (Jesuitenreduktionen), um sie vor den Sklavenjägern zu schützen. Die Barockkirchen und Dorfstruktur sind bis heute erhalten. Sie gehören zum Weltkulturerbe der Menschheit. Neben der Holzindustrie lebt die Stadt vom Handel (Rinder und Agrarprodukte wie Mais, Kaffee, Maniok,…). Im ganzen Bistum San Ignacio, das mit 192.000 qkm fast fünf Mal so groß ist wie die Schweiz, gibt es acht ehemalige Reduktionen, aber nur 250 km asphaltierte Strassen. Das Klima ist durchgehend heiß, mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 25°C. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1.260 mm (in der Schweiz sind es 1.530 mm). Drei Viertel des Niederschlags fallen in der Regenzeit von November bis März.

Mit den Jesuiten kam vor über 300 Jahren auch die klassische Musik in die Urwälder Boliviens. Die teilweise selbst komponierten Stücke wurden bei Sanierungsarbeiten der Kirchen in den achtziger Jahren gefunden und veröffentlicht. 1996 fand das erste internationale Barockkonzert in der Chiquitania statt und seitdem haben sich mehrere einheimische Chöre und Orchester gebildet. Die Musik ist Teil der Kultur des Volkes und so wollen auch wir vor allem die jungen Menschen auf dem Land in ihrer musikalischen Aus- und Weiterbildung (durch Gitarren- und Geigenkurse, sowie kleine Konzerte) unterstützen.

Die Kinder und Jugendlichen vom Land werden in ihren Dörfern unterrichtet und regelmäßig in die Stadt eingeladen, wo sie das Erlernte in kleinen Konzerten aufführen können. Ein Konzert verursacht vor allem Werbe- und Transportkosten (Unterkunft und Verpflegung kann als Eigenanteil der Pfarrei geleistet werden). Pro Konzert wird mit Kosten von 100 Euro gerechnet. Für 2011 sollen insgesamt 6 Gitarrenkurse (jeweils für 3 Monate) und in jeweils 2 Nachbardörfern Geigenunterricht anboten (10 Monate) sowie sechs kleine Konzerte organisiert werden.

Kosten:
1 Gitarre: 55 Euro.
1 Geige: 100 Euro.
Ausbildungskosten für einen Monat Geigenunterricht: 200 Euro.
Transportkosten für einen Gitarrenkurs (3 Monate): 150 Euro.

Kontakt: Clemens Plewnia, CH-Männedorf, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

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